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macarons in FAZ 2015

Google Adwords, SEO-Marketing, Mobile Commerce, Responsive Webdesign – das sind nur einige Begriffe, mit denen sich Unternehmer auskennen müssen, wenn die auf dem riesigen, konkurrenzstarken „Internet-Markt“ bestehen wollen. Drei davon sind die Stuttgarter Matthias Mußler von der Mußler GmbH, Veit Kohlhoff, Geschäftsführer beim Kindermodelabel macarons gmbh, und Martin Fischer, Inhaber des Fahrradgeschäfts Fahrschneller.de. Sie alle sind sich einig. Einen Online-Shop aufzubauen, ist kein Zuckerschlecken und erfordert viel mehr Energie als gedacht.

(…) Was den Online-Handel angeht, steckt Veit Kolhoffs Modelabel macarons noch in den Kinderschuhen. 2011 in Mönchengladbach gegründet und vor knapp zwei Jahren nach Stuttgart gezogen, konzentriert sich das junge Familienunternehmen auf ökologisch nachhaltige Baby- und Kinderkleidung aus Naturstoffen. Auch Kohlhoff hätte mit weniger Aufwand für einen Online-Shop gerechnet. In Zukunft will er mehr Wert auf das Marketing legen: „Wir haben das anfangs ziemlich unterschätzt und wollen in Zukunft mit einer Agentur an unserer Werbung arbeiten“, sagt der Geschäftsführer. Kohlhoff, der Kunden aus aller Welt hat, ist nach eigenen Angaben noch abhängig von den Einzelhandelverkäufen der Boutiquen in Großstädten wie Moskau, New York und London. Mittelfristig will er seinen Umsatz verdoppeln, ist dafür aber auf die Optimierung seines Webshops angewiesen. „Noch ist das wie ein Laden im Hinterhof: Er existiert zwar, aber nur wenige wissen davon.“

Veit Kohlhoff erhofft sich mehr Zugriffe auf seinem Online-Shop. Er will nicht nur präsenter auf Google sein, sondern auch ein „Bewusstsein für nachhaltige Kindermode“ schaffen. „Unsere Kleidung ist zu hundert Prozent unter fairen Arbeitsbedingungen entstanden, vieles davon gleich ums Eck in Schwäbisch Hall. Dementsprechend sind die Kleider etwas teurer. Wir wollen, dass die Kunden wissen, was sie kaufen, und arbeiten momentan an einem Konzept, um das zu kommunizieren“, sagt Kohlhoff.

Nach kümmere sich ein Team aus drei Mitarbeitern nebenher um den Onlineshop und den Auftritt in den sozialen Netzwerken wie Facebook. Eine Vollzeit-Stelle sei nur in Aussicht, „wenn die geplanten Maßnahmen wirken und die Online-Verkäufe steigen“, so Kohlhoff.

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„Deutsche mögen lustiges“

Die Gründerin der Marke macarons über den Stil hierzulande

FAZ: Frau Kohlhoff, Sie sind Halbfranzösin, Ihr Mann ist Deutscher. Vor drei Jahren gründeten Sie zusammen in Stuttgart das nachhaltige Kinderlabel macarons. Wie kommt es, dass Deutsche ihre Kinder oft so funktional anziehen?

Julie Carol Kohlhoff: Hier geht es immer erst mal darum, dass Kinder schnell wachsen und etwas Praktisches zum Anziehen brauchen. Das bekommt man einfach nicht aus den Köpfen heraus. Aber wenn man es positiv formulieren will, sind die Deutschen vielleicht ein etwas naturverbundener als die Franzosen.

FAZ: Inwiefern?

Julie: Sie wollen mit ihren Kindern möglichst viel Zeit draußen verbringen. Dementsprechend ist ihnen ein bequemer Schuh mit einer guten Sohle wichtig, ein gutes Fußbett und dazu Kleidung, die wetterfest ist. Im Gegensatz zu Franzosen finden Deutsche viele Kleidungsstücke schnell zu schick. Sobald es aus feineren Material ist, dann ist ihnen die Pflege zu kompliziert. Es ist ihnen nicht so wichtig, dass ihr Kind hübsch angezogen ist, sie wollen ihre Kinder lieber lustig, kindgerecht und bunt anziehen, deswegen sind Obstdrucke und (ähnliche) sehr beliebt.

FAZ: Was ziehen Sie Ihren Kindern an?

Julie: Ich möchte meinen Kindern nicht unbedingt als Obsttörtchen verkleiden. Mit gefällt die französische Art und Weise besser. Aber manchmal fehlt es mir in Frankreich auch ein bisschen an Innovation. Stilistisch gesehen, richten sich seit Jahren alle nach Bonpoint.

FAZ: was ja preislich unbezahlbar ist …

Julie: Die Franzosen sind aber durchaus geschickt, um Sachen für Kinder zu finden, die nach viel aussehen, aber nicht viel kosten. Viele Mütter kaufen recht günstig bei Monoprix, einem Supermarkt, dessen Eigenmarke Bout’chou von ehemaligen Bonpoint-Designern gemacht wird.

FAZ: Ist nachhaltige Mode wie die von macarons in Frankreich ein Thema?

Julie: In Frankreich gibt es zwar immer mehr Bio-Essen, aber sie stellen kaum Fragen nach den Produktionsbedingungen. In Deutschland sind wir da weiter.

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